Die Klimaanlage ist ein Lüftungssystem

 

Wussten Sie schon, dass ein herkömmlicher Gebläsemotor bis zu 400 kg Luft pro Stunde in die Fahrgastzelle pumpt? Daher sind die Schadstoffbelastungen in der Fahrgastzelle bis zu fünfmal höher als außerhalb des Fahrzeuges. Bei 15.000 km Fahrleistung im Jahr und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75 km/h ergibt das:

15.000km / 75km/h = 200h pro Jahr x 400kg Luftmasse pro Std. = 80.000kg Luftmasse pro Jahr

Das entspricht einer Luftmasse der Größe eines 10 m hohen Fußballfeldes. Dass sich dabei Verschmutzungen in den Luftkanälen der Klimaanlage absetzen können, ist wohl selbstverständlich.

Daher ist es extrem wichtig, jährlich den Innenraumluftfilter zu erneuern, um die grobe Verschmutzung aus der Luft herauszufiltern. Doch Feinstäube durchdringen die Filterelemente und bleiben am feuchten Verdampfer haften. Normalerweise werden diese Verschmutzungen beim Betrieb der Klimaanlage durch das entstehende Kondensat weggewaschen. Doch das verstärkte Aufkommen von Klimaanlagen mit automatischer Regelung und der Kurzstreckenverkehr haben zur Folge, dass nicht genügend Kondenswasser zur Reinigung am Verdampfer entsteht. Zusätzlich erschweren Plattenverdampfer durch ihre Konstruktion das Abführen des Wassers mit dem Schmutz. Dichtschaumstoffe saugen sich mit dem Kondensat und dem Schmutz voll. Hinzu kommen verlängerte Wartungsintervalle und hohe Temperaturen, die das Risiko von Bakterien- und Schimmelbildung im Luftsystem der Klimaanlage erhöhen.

Unsere Empfehlung:

 

Jährlich den Innenraumluftfilter erneuern und bei diesem Arbeitsschritt
die Luftkanäle und den Verdampfer reinigen und desinfizieren,
damit ein sicheres und nicht gesundheitsschädigendes Autofahren
gewährleistet werden kann.

 

 

 

Wie kommt es zur Geruchsbildung?

 

Ein feuchtwarmes Klima und Verunreinigungen führen zu einer Population von Mikroorganismen. Es entsteht dabei ein feiner Biofilm, der sich in den Luftkanälen und an den Wärmetauschern der Klimaanlage absetzt. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Schimmelfugen im Badezimmer. Diese Mikroorganismen werden durch den Gebläsestrom in die Atemluft der
Fahrgastzelle gepumpt. Geringe Konzentrationen haben für uns Menschen keine schädlichen Auswirkungen. Vermehren sich die Mikroorganismen allerdings, kann die Grenze zur Gesundheitsgefährdung überschritten werden. Starke Sekrementablagerungen werden von uns Menschen als übel riechendwahrgenommen.


Diese Schadstoffe und Gerüche in der Fahrgastzelle führen zu Reizungen der Atemwege und Augen und können im Extremfall Kopfschmerzen und Allergien auslösen. Für Berufspendler, Handelsreisende und Familien mit Kindern
bedeutet das eine stetige Belastung.


Die Thematik ist, wie man die Population dieser Mikroorganismen in der Klimaanlage minimiert bzw. reduziert. In der Vergangenheit gab es erste Versuche, „frischen Wind“ in das Fahrzeuginnere zu bringen. Nicht immer überzeugend. Mal war die Technik nicht durchdringend genug, um dauerhaft zu wirken. Mal stand das Mittel selbst im Verdacht, Allergien auszulösen.

Die Qual der Wahl! Was ist zu empfehlen?

 

Folgende Arten der Verdampferreinigung werden im Markt angeboten:


1. Sprühdosen: Diese Reinigungsmittel werden im Innenraum aufgestellt und durch Betätigen des Sprühkopfes wird das Reinigungsmittel in die Fahrgastzelle versprüht.. Durch den Betrieb der Klimaanlage auf Umluft zirkuliert das
Reinigungsmittel durch das Lüftungssystem. Alle Luftklappen dabei öffnen. Der Innenraumluftfilter sollte während der Reinigung aus dem Lüftungssystem entfernt werden.
Diese Reinigungsmittel sind für den Do-it-yourself Bereich vorgesehen und können von jedem Anwender für eine Zwischendurch-Reinigung genutzt werden. Diese Reinigungsmittel sind in der Regel nicht so effizient. Auf dem Markt gibt es Reinigungsmittel auf chemischer oder biologischer Basis. Wichtig ist, dass diese Mittel von unabhängigen Instituten getestet wurden und für Mensch und Natur zu 100% unbedenklich sind.

2. Lanzentechnik: Diese Methode gehört zu den effektivsten Reinigungsarten, da das Reinigungsmittel direkt über eine Sprühlanze auf den Wärmetauscher und die Luftkanäle versprüht wird. Hierzu muss oft der Zugang zum Verdampfer freigelegt werden, was mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden ist. Diese Art der Reinigung ist aber oft die einzige, um festsitzenden Biofilm zu beseitigen und hartnäckigen Geruch zu entfernen. Auch hier gilt es zu prüfen, ob das eingesetzte Reinigungsmittel unbedenklich gegenüber Mensch und Natur ist.

3. Ozonbehandlung: Bei dieser Methode wird nicht von einer Reinigung, sondern von einer Behandlung gesprochen. Da mittels eines Ozongenerators der Sauerstoff in der Luft in Ozon umgewandelt wird.
Ozon (chemisches Formelzeichen O3) besteht aus drei Atomen Sauerstoff und entsteht überall dort, wo durch elektrische Energie oder UV-Strahlung aus den „normalen“ Sauerstoffmolekülen (O2) der Luft Atome (O) entstehen.
Diese Atome können dann wiederum mit Sauerstoffmolekülen zu Ozon (O3) reagieren:

O2 => 2O ; O + O2 => O3

Der Vorteil von Ozon ist, dass es ein oxidatives Reizgas ist und somit in entsprechend hoher Dosis alle Lebenwesen (auch Mikroorganismen) tötet, die das Ozon einatmen oder mit diesem Reizgas in Kontakt kommen.
Der Nachteil von Ozon ist, dass selbst geringste Konzentrationen des Reizgases bereits Einflüsse auf die Lungenfunktion besitzen. Bei Konzentrationen über 0,1 ml/m³ kann Ozon mit allen biologischen Systemen reagieren. Es werden subjektiv folgende Wirkungen wahrgenommen:
- Reizempfindungen an den Schleimhäuten der Augen und Atemwegen
- Heiserkeit und Husten
- Beklemmungen hinter dem Brustbein
- Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Die Hauptschädigungen werden in den Atemwegen verursacht, wobei es zu Atembeschwerden mit einer Abnahme des Atemvolumes kommt. Später treten auch Nasenbluten, Bronchitis (Entzündungen der Luftröhrenschleimhaut) auf oder es sammelt sich Flüssigkeit im Lungengewebe an (Lungenödem). Dabei ist der Übergang von folgenlosen Reizwirkungen zu Veränderungen mit Krankheitswert fließend.
Ein Einfluß auf die Lungenfunktion ist bei Konzentrationen ab 0,08 ml/m³nachgewiesen. Nach der technischen Regel für Gefahrenstoffe TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder und fortpflanzungsgefährdender Stoffe“ ist Ozon als Krebs erzeugend, Kategorie 3, eingestuft.
(Quelle: Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse www.bgetem.de / Infoblatt Nr.526 / Stand 07.2013)
Da selbst nach einer Ozonbehandlung gutes Lüften nicht garantiert, dass das gesamte Ozon in der Fahrgastzelle zerfallen ist, (Ozon riecht intensiv nach nelken-, heu- oder chlorähnlich „Höhensonnengeruch“), wird von dieser Methode zur Reinigung und Desinfektion der Klimaanlage abgeraten. Diese Gerüche sind ein Anzeichen dafür, dass die Ozonkonzentrationen weit über den gesetzlichen Grenzwerten liegen.

4. Kaltverdampfung durch Ultraschall: Diese Reinigungsmethode ist sehr verbreitet und wird von vielen Herstellern angeboten. Hier wird das Reinigungsmittel mittels Ultraschall zur Verdampfung gebracht. Es handelt sich dabei um einen Kaltdampf. Durch den Betrieb der Klimaanlage auf Umluft zirkuliert das verdampfte Reinigungsmittel durch das Lüftungssystem. Alle Luftklappen sind dabei zu öffnen. Der Innenraumluftfilter sollte während der Reinigung aus dem Lüftungssystem entfernt sein. Vom Wirkungsgrad ist diese Methode effektiver als die Sprühdose. Leider gibt es oft Probleme mit den Ultraschall-Vernebelungsmaschinen. Sie sind nach relativ kurzer Zeit defekt und müssen ausgetauscht werden.


5. Heißdampf: Diese Reinigungsmethode wird z.Zt. nur von einem einzigen Hersteller angeboten. Hier wird das Reinigungsmittel aufgeheizt und bei 100°C zum Verdampfen gebracht. Durch den Betrieb der Klimaanlage auf
Umluft zirkuliert das heiß verdampfte Reinigungsmittel durch das Lüftungssystem.
Vorteil: Das heiß verdampfte Reinigungsmittel kondensiert viel besser an kalten Oberflächen, so dass die Reinigungsflüssigkeit optimaler an die zu reinigenden Stellen kommt. Wichtig: Alle Luftklappen sind dabei zu öffnen.
Der Innenraumluftfi lter sollte während der Reinigung aus dem Lüftungssystem entfernt sein. Vom Wirkungsgrad ist diese Methode viel effektiver als die Sprühdose und die Kaltverdampfung durch Ultraschall.

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