Neues Klimazeitalter

Seit Anfang 2017 dürfen in der EU nur noch PKW und Kleintransporter zugelassen werden, die mit einem Kältemittel befüllt sind, dessen Treibhauspotential geringer als 150 ist. Das alte Kältemittel R134a besitzt ein Treibhauspotential von 1430 und ist somit bei Neufahrzeugen nicht mehr erlaubt.

Als Alternative hat sich die Automobilindustrie auf das neue Kältemittel R1234yf (HFO 1234yf) geeinigt. Dieses neu entwickelte Kältemittel hat den Vorteil, dass es, sobald es durch einen Unfall oder einer Leckage in der Klimaanlage an die atmosphärische Luft kommt, innerhalb von elf Tagen zerfällt. Dadurch konnte das Treibhauspotential des Kältemittels signifikant gesenkt werden.  (Treibhauspotential = 4)

Ein weiterer Vorteil des Kältemittels R1234yf für die Automobilindustrie ist, dass es im ähnlichen Druck- und Temperaturverhältnis arbeitet wie das alte Kältemittel R134a. Dadurch müssen keine Neuentwicklungen durchgeführt werden, da weiterhin die bauartgleichen Klimakomponenten verwendet werden. Das spart Kosten beim Neukauf eines Kraftfahrzeuges.

Die Nachteile vom Kältemittel R1234yf sind die hohen Entwicklungskosten (derzeit ca. 15x teurer als R134a) und das Restrisiko durch Entflammbarkeit.

D.h. im Klartext, dass der Endverbraucher zwar bei der Neuanschaffung seines Automobils spart, doch im Service- und Reparaturfall zur Kasse gebeten wird.

Der Nachteil der Entflammbarkeit wurde durch eine Studie des Kraftfahrt‐Bundesamt (KBA), die in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA), der Bundesanstalt für Materialforschung und ‐prüfung (BAM), der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und dem TÜV Rheinland durchgeführt wurde,  widerlegt. Hierzu der technische Bericht.

Technischer Bericht: Untersuchungen zur möglichen Entflammbarkeit des Kältemittels R1234yf in Kraftfahrzeugen

Trotzdem ist R1234yf eine chemische Verbindung (Tetrafluorpropen) und somit kein natürliches Kältemittel, wie z.B. Kohlendioxid (CO2). Leider hat Kohlendioxid ein viel tiefere Siedetemperatur als R134a oder R1234yf, weswegen bei CO2 –Klimaanlagen viel höhere Drücke vorhanden sind und die Automobilhersteller alle Komponenten der Klimaanlage neu entwickeln und herstellen lassen müssen.  Was viel Geld kostet!

Daher müssen wir alle Mercedes gratulieren, weil sie es trotzdem wagen und die neue S-Klasse als erstes Serienfahrzeug mit CO2 –Klimatechnik auf den Markt bringen wollen. Denn wenn sich die Technik bewährt und die Kosten nicht explodieren, kann es in Zukunft nur eine Frage geben: Warum soll man mit Chemie kühlen, wenn es doch mit natürlichen Kältemitteln auch funktioniert??? Diese Frage wird gestellt werden. Nicht heute, nicht morgen , aber übermorgen!

Wichtig für den Verbraucher zu wissen, dass ein angenehm klimatisiertes Auto in Zukunft nicht günstiger sondern teurer wird. Egal, ob neues oder altes Kältemittel. Die EU hat die Absatzmengen für Kältemittel mit hohem Treibhauspotential (u.a. R134a) reduziert und somit für eine künstliche Verknappung des Kältemittels gesorgt. Das wiederum führt zu einem Preisanstieg des Kältemittels R134a. Der Endverbraucher muss sich somit auf höhere Kosten für Service- und Reparaturarbeiten an seiner Fahrzeugklimaanlage einstellen.

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